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Mississippi ist der Blues

Ein Gastbeitrag von Knut Benzner, Blues-Journalist für den NDR und weitere Sender

”The Mississippi Delta is shining like a national guitar...” – als Paul Simon 1986 diese Zeilen in seinem Song „Graceland” sang, hatte er eher den Wohnsitz des Königs Elvis im Sinn. Doch letztlich war „Graceland” ein Lied über mehr.

Das Mississippi-Delta beginne, hat vor vielen Jahren mal jemand gesagt, an der Theke des Peabody in Memphis, Tennessee, und endet in der Canary Row am Yazoo-River in Vicksburg, Mississippi. Das Peabody? Eines dieser alten Südstaaten-Hotels, wenn nicht das Hotel schlechthin.

Das Delta, das Überschwemmungsgebiet des mythischen Flusses zwischen diesen beiden Städten, zwischen Memphis, Tennessee und Vicksburg, Mississippi. Dort findet man ihn. Ja, man begegnet ihm. In Memphis sowieso. Und von Memphis in Richtung Süden ist er überall. Der Blues. Die Wurzel. Denn hier, aus Mississippi, kommt er her.

Und aus Mississippi kommen die, die ihn erschaffen haben: Robert Johnson, Sonny Boy Williamson II, Big Joe Williams, John Hurt (Mississippi John Hurt), Son House, Skip James, Howlin’ Wolf, Willie Dixon, Albert und B.B.King, Muddy Waters und Sunnyland Slim. Sie kommen aus Hornlake und Hernando in den Mississippi Hills. Sie kommen aus Helena und Como, aus Clarksdale und Bobo, aus Indianola, West Point,  Avalon, McComb, Greenville, Scott und Bentonia.

Mann mit Trompete

Auf dem Blues-Highway, der Route 61 entlang des Flusses, fährt man durch einige jener Orte. Man sollte anhalten, im beschaulichen Clarksdale zum Beispiel., an der Kreuzung, dort, zur Erinnerung an die, wo Robert Johnson den Teufel traf. Man sollte anhalten, um zum Mittagessen oder Abends zum Konzert ins Ground Zero zu gehen – den Blues-Club von Morgan Freeman. Der Schauspieler wurde im Nachbarort geboren; wenn man Glück hat, ist er anwesend; man hat hier oft Glück.



Dann, jenseits des Highways und des Flusses: Indianola und Itta Bena. In Indianola steht das große B.B.King Museum & Delta Interpretive Center, in Berclair bei Itta Bena ein Schild an der Stelle der längst verschwundenen Hütte, in welcher der Musiker im Jahr 1925 geboren wurde. Dann Avalon vielleicht. Inmitten der Baumwollfelder eine alte Scheune, drei Häuser, eine Kfz-Werkstatt, in der die Anlasser noch repariert werden... und das Grab von Mississippi John Hurt, abseits des Schotterweges, bei schlechtem Wetter durch den Matsch kaum erreichbar.

Anschließend zurück, Richtung Greenville, direkt am Mississippi. Fast verlassen wirkt die gerade durch diesen Eindruck leere Innenstadt, viel Charme hat sie, und auch hier ein paar Clubs, das Blues Boulevard Jazz. Doch vorher ins Doe’s Eat Place zu Shrimps, Gumbo, Chilli und Porterhouse.

Weiter nach Süden. Durch Wälder und Felder, vorbei an Rolling Fork, Vicksburg. Malerische Innenstadt, altes Gemäuer, hier und da ein Herrenhaus in viktorianischem Stil, Yazoo-River und Mississippi treffen sich.

In Natchez endet die Nationalpark-Reisestraße Natchez Trace Parkway, ein indianischer Handelsweg und später legendäre Trapper-Route. Natchez ist die älteste Stadt am Mississippi überhaupt – und war vor dem Bürgerkrieg die reichste der Vereinigten Staaten. Die Baumwolle. 

Mississippi ist einzigartig, gastfreundlich, einsam, Mississippi ist der Blues. Immer noch. In Mississippi, genauer gesagt in Oxford, steht eine der ersten sowie die am höchsten angesehene Universität des Südens: Die Ole Miss, wie sie sie nennen, gefühlt fast so alt wie der Vater der Flüsse. Mississippi ist ländlich, und im Delta hat die einzige originäre Musik der Neuen Welt ihren Ursprung: Der Blues.

Seine reichen Traditionen erschließen sich dem Besucher auf dem Mississippi Blues Trail, der zu mehr als 200 Stätten des Blues führt. Eine App weist den Weg.